Bundesgeschichte

8 Mai

Rede eines der Gründerväter der Ingvaeonia beim Stiftungsfest 1958

In der SVZ 1/1983 fand ich eine interessante Rede, die Bbr. Karl Naber beim Stiftungsfest der Ingvaeonia 1958 über Sinn und Aufgabe studentischer Verbindungen gehalten hat. In der gleichen SVZ sind die Festreden zum 115. Stiftungsfest des SV in Nürnberg 1982 und beim 100. Stiftungsfest der Alt-Straßburg Freiburg veröffentlicht, und der Schriftleiter der Zeitung wollte offensichtlich den Kontrapunkt zu einer früheren Rede zum Thema setzen.

Die Rede ist ein Dokument, das das Denken der Zeit nach dem 2. Weltkrieg bis in die 1960er Jahre hinein sehr transparent macht. Die Verbindungen zu unserer heutigen Sichtweise möge jeder Leser selbst ziehen! Die Orthografie der Zeit ist bewusst nicht verändert!

Zu AH Karl Naber: 

Er ist einer der Gründerväter der Ingvaeonia.

Er war der erste Präside der Aktivitas im SS 1947

und von 1958 bis1961 der zweite AHV-Vorsitzende nach Fritz Krüger.

Beim 30. Stiftungsfest Anfang Juni 1977 waren er und andere Gründungsmitglieder zum letzten Mal in der Ingvaeonenrunde zu sehen. Damals hat er auch launig aus den Anfangsjahren der Ingvaeonia berichtet.

Verstorben ist AH Naber am 9.1.2002.

Unterwegs – Ein Ausflug als Auftaktveranstaltung

8 Mai

Anfang Oktober, noch vor dem Ankonvent, stand der erste Punkt des Semesterprogramms an: der Ausflug.

Nicht nur die olympischen Spiele in Tokio fielen im letzten Jahr aus, auch in der Programmplanung kam der Wunsch auf, eine Alternative zu den Olympiaden der vorangegangenen Semester umzusetzen. Da pandemiebedingt von einer weiten Fahrt abzusehen war, entwickelte das Planungsteam (Charlotte, Lisa und Marten aus dem Vorstand des vergangenen Semesters) zum gegenseitig besseren Kennenlernen eine vielseitige Tour in, um und durch Münster.

So trafen wir uns gespannt am frühen Freitagnachmittag und befüllten die Taschen mit einigen Flaschen Proviant, bevor die drei eingeteilten Gruppen zu ihren verschiedenen Startpunkten aufbrachen.

Lisa folgten Elli, Teresa, Sebastian und JP,

Marten zog mit Leonie, Tan, Johannes und Christin los und

Charlotte leitete Olivia, Jan, Henrik und Theresa an.

An jedem erreichten Etappenziel wurden die Ausflügler von ihrem/ihrer GruppenführerIn vor eine Aufgabe gestellt, und auch der nächste Zielpunkt musste stets auf verschiedene Weisen enträtselt werden.

Die dem Haus am nächsten gelegene Station war bei dem beliebtesten Münsteraner Rodelberg, der ‚Münster bekennt Farbe‘-Wiese. Hier hatte eine Person der Gruppe zu einem scheinbar zufällig vorgegebenen Buchstaben einen Liedtitel mit passenden Anfangsbuchstaben zu finden und mit Wasser im Mund zu gurgeln. Meist folgten drei Verschlucker, bis endlich die Melodie erkannt wurde, und alle in das Gurgelkonzert einstimmten konnten. Bei genauem Hinsehen wurde sichtbar, dass das nächste Ziel in jenen gegurgelten Anfangsbuchstaben verschlüsselt war: M-E-N-S-A.

Ein paar Meter vor der Mensa am Aasee sollte versucht werden auf Kommando so lange frei heraus ein Wort zu sagen, bis alle ohne Absprache das gleiche assoziierten und sagten.

Vom Aasee aus ging es zu der KSHG1), nahe der Überwasserkirche. Dort verknoteten sich nicht nun die Gehirne bei der Suche nach der Lösung eines Rätsels („Ich gehe ins Theater und nehme … mit. Werde ich reingelassen?“), nach welchem Prinzip der/die TürsteherIn eines Theaters den Zutritt gestattet oder verwehrt.

Nach dem Finden der Lösung waren die tüchtigen Truppen nun bestens vorbereitet, nicht mehr nur fiktiv, sondern physisch das Theater anzusteuern. Passend zu dieser Örtlichkeit bekamen die Gruppen dort die Anweisung in wechselnden Konstellationen Improtheater zu spielen.

Wer 0,001 Megameter weiter, vor der KatHo2) angekommen, durch die Anstrengung des ersten Teils der Rallye, die sich langsam regelrecht als Wanderung entpuppte, schon Hunger gesammelt hatte und bei den angebotenen Salzstangen ordentlich zugriff, war nun umso mehr gefordert: Für jede aufgenommene Salzstange war den anderen eine persönlicher lustige Begebenheit über sich zu offenbaren.

Weiter ging es zu der Kirche St. Mauritz. Hier lernten sich die Wandergruppen bei „2 Wahrheiten und eine Lüge“ noch besser kennen. (Jeder Teilnehmer denkt sich zwei wahre Aussagen sowie eine Lüge über sich selbst aus. Dann werden diese den anderen erzählt und es muss erraten werden, welche Aussagen wahr und welche unwahr sind.)

Die Motivation war noch lange nicht erschöpft und doch fingen langsam die Füße an zu qualmen.

Auf den Stufen des Kreativhauses3) bekamen die müden Beine eine kurze Pause. Doch statt der Füße rauchten bald wieder die Köpfe. Gemeinsam war ein sich reimendes Gedicht mit 2 Strophen á 4 Zeilen zu verfassen.

Ein vorbereitetes Gedicht brachte nach der Fertigstellung den Hinweis auf das nächste Ziel:

Lebensmittel kaufst du besser

Immer frisch für viele Esser


Denn dann hast du was in petto


Laufen musst du nicht zu Netto.

Schnell war klar: die ersten Buchstaben der Zeilen weisen den Weg zu Lidl.

Bei dem Discounter unseres Vertrauens angekommen, folgte die Anweisung der vorbereiteten Herausforderung. Dort wo man eigentlich auch künftig als KundIn Einkäufe tätigen möchte, sollte jetzt ein Foto mit einem/einer MitarbeiterIn erhascht werden, was tatsächlich auch allen ohne Hausverbot gelang.

Vor dem Endspurt Richtung Ingvaeonenhaus wartete noch eine letzte Station. Beim „Gym“, damit war kein Fitnessstudio, sondern das Hittorf-Gymnasium gemeint, waren noch einmal die letzten kognitiven Kräfte gefordert. Nach dem Lösen eines Logikrätsels hieß das nächste und letzte Ziel nun nach über 10 gelaufenen Kilometern: „Haus“. Angekommen und wieder vereint schauten wir über den Beamer die vom Improtheater aufgenommenen Fotos an, lasen die unterwegs verfassten Gedichte vor, zeigten die Fotos mit den Mitarbeitern aus dem Lidl, erzählten und aßen dabei die bestellte Pizza, auf die sich alle den ganzen Marsch über gefreut hatten. Platt und satt ließen wir im Saal den Tag ausklingen.

Digitale Bühne

15 Jan

 am 15.01.2021

Die „Digitale Bühne“ war dieses Semester ein absolutes Highlight.

Bei dem ersten Treffen des Unterstützungsteams bestehend aus JP, Christin, Olivia, Michelle und natürlich unserer Musenwartin Lea war schon so gut wie sicher, dass die Offene Bühne dieses Mal ausschließlich im Digitalen Format stattfinden muss.

Nun war nur noch die Frage in welchem Rahmen und über welche Plattform.

Schnell wurden wir uns einig, dass Zoom genauso eine, für alle gut zu bedienende, Plattform ist und ausreichend technische Tools für die Wiedergabe von Videos und aufgenommenen Musikdateien besitzt, und viele Personen gleichzeitig im „Zoomraum“ sein können.

Der positive Aspekt der aktuellen Situation: Lea hatte sich mit Organisatoren von der AMV Makaria Bonn und der StMV „Blaue Sänger“ Göttingen zusammengesetzt und eine gemeinsame Digitale Bühne nach unserem zuvor geplanten Konzept vorbereitet.

An dieser Stelle noch einmal ein riesengroßes Dankeschön an Lea für ihre Mühe und die Planung dieses grandiosen Abends. 

So kamen trotz der Zweifel, wie die Offene Bühne in Form einer Digitale Bühne wohl angenommen würde, und ob alles technisch so funktioniert wie geplant, 24 kreative und programmfüllende Beiträge – bestehend aus Gesang, Instrumentalstücken, Poetry-Slams, Gedichten – und mindestens 200 Musenliebhaber*innen (140 Zoom Kacheln zum Teil mit 2-6 Leuten besetzt) zusammen um den Abend zu genießen.

Die Moderatoren Lea (MS), Marvin-John (BN) und Anselm (GÖ) haben den Abend trotz anfänglicher Nervosität super unterhaltsam und locker moderiert und sogar einen Talentwettbewerb auf die Beine gestellt, bei dem der beste Beitrag von den Zuhörern auserkoren werden sollte.

Gewonnen hat diesen eine Interpretation von Queens „Bohemian Rhapsody“ aus Göttingen.

Aus Münster kamen folgende Beiträge:

Eine auf der Flaschenorgel von Olivia, Theresa, Marten, JP, Henrik und Michelle eingespielte Version unseres Bundesliedes.

Des Weiteren spielte Marten den ABBA-Song „Money, Money, Money“ auf dem Saal-Klavier und begleitete Elenas Gesang zu „My tears ricochet“ von Taylor Swift.

Henrik präsentierte seinen Betrag mit digital zusammengesetzten Tönen und von Charlotte und Christin gab es noch eine Interpretation des Songs „Share your address“ von Ben Platt.

Alles in allem war die Digitale Bühne eine wunderschöne Veranstaltung, die sämtliche Erwartungen des Planungsteams übertroffen hat, und mein – ich weiß ich wiederhole mich – absolutes Highlight in diesem Corona-Semester wurde.

In Kooperation mit Makaria Bonn & STMV Blaue Sänger.

muse – Musik, Kunst & Dialog

24 Jan

Bunt. Lebendig. Magisch!

Die „muse“ war eine Vernissage der studentischen Art. Unser Treppenhaus bot Platz für viele, viele Ausstellungen verschiedenster Künstler und Künstlerinnen, die in einen musischen Dialog mit Besuchern und Co-Austellern traten. Darüber hinaus versorgten drei Bands den Saal mit fantastischer Musik und Stimmung.

Es war ein wundervoller Abend und hat uns allen super viel Spaß gemacht. Es wurden neue Freundschaften geschlossen, und gab uns viel Input und Inspiration. Diese Veranstaltung hat unserem schönen Haus eine ganz neue und interessante Atmosphäre gegeben.

Nochmals großer Dank gilt:
Lisa Felden, Melina Kuczka, Michelle Tophinke, Jan Kowalzik, Leonie, Hannah & Henrik Hegenberg, Lisbeth Laguz, Lena Skaya, Eva Chavand, Michele Fischels, Annette Methfessel und Marcel Emmerich. Außerdem Equa Two, Ronja Maltzahn, und Mr. Fandango für die großartige Musik!

Aber natürlich auch den Mitbewohnern unseres Hauses und das tolle Publikum welches an diesem Abend zu uns gefunden hat!

10.11.18

Zwischen den [_____] – Eine Theatercollage

24 Jan

Standen Sie schon mal vor einer [_____], die Sie einfach nicht [_____] konnten?
Dann haben Sie [_____] am eigenen Leib erfahren!

Und auch die vier Charaktere auf der Bühne erfahren sie – wissen im Wartezimmer weder vor und noch zurück, rien ne va plus, können sich einfach nicht [_____].
Aber zwischen was eigentlich? Zwischen eingeschweißt oder nicht, zwischen Gelassenheit und Ruhm, zwischen Regen und Traufe, zwischen Pest und Cholera?
Und macht es überhaupt einen Unterschied?
So sitzen sie zwischen den [_____], wägen ab und die Uhr tickt und tickt und tickt…

„Zwischen den [_____]“, eine Theatercollage von und mit Studenten des AMB Ingvaeonia.

01.12. + 02.12.2018

Offene Bühne am 16. Juni 2017

22 Nov

Als die Artikelliste zu diesem Ingvaeonenblatt beim Ankonvent des Sommersemesters umlief, habe ich mir mal wieder gleich die Veranstaltung unter den Nagel gerissen, die mir selber am meisten Freude bereitet. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich mich in die unangenehme Lage gebracht habe, eine von mir selbst gestaltete Veranstaltung kommentieren zu müssen (/dürfen). Dafür kann ich jetzt ein ordentliches Backgroundwissen vorweisen. Die Offene Bühne des SoSe17 lässt sich meiner Meinung nach in drei Attributen beschreiben:

Spritzig (dank Fritz und Pinkus sowie einer erwartungsvollen Spannung und Stimmung im Saal),

Bunt (a. dank vieler Rosen, b. einer lebhaften Mischung von Künstlern, Titeln und Stilrichtungen, c. einer großen Menge an Zuhörern),

Versiert (und damit möchte ich nicht meine Moderation hervorheben, sondern die großartigen Künstler, die dieses Mal dabei waren).

Sehr gerne möchte ich mir im Folgenden den Luxus herausnehmen (siehe Backgroundwissen), alle Künstler aufzuführen. Es traten neben den Ingvaeonen auch unsere Probenraummieter und Freunde der Verbindung auf. Bei einigen Künstlern handelt es sich um Freunde von mir, die ich über andere Musikprojekte kennengelernt habe. Außerdem traten Künstler auf, die von sich aus auf mich zugekommen waren:

Zu Beginn spielte Catfish – die Band meines Kommilitonen Johannes – eigene Kompositionen und setze die Messlatte mit diesem gelungenen Auftakt ordentlich hoch.

Danach präsentierte Ingvaeone Tuan ein Medley aus LaLaLand am Klavier.

Der Chor, und damit auch einige Mitglieder unserer Verbindung, präsentierte vier Stücke unter der Leitung unseres Chorleiters Leon Jaekel.

Als nächstes tanzte Timo über die Tasten des Klavieres. Mit Ravels Jeu d’eau präsentierte er uns mit Leichtigkeit, welch ein hohes Niveau ein Musikstudent am Klavier erreichen kann. Felix und Ronja, an Cello und Gitarre/Klavier, ließen mit ihrem Auftritt wieder eine leicht melancholische Ruhe einkehren.

Sabrina und Lennart präsentierten unter ihrem Künstlernamen „Yonder“ selbstgeschriebene Songs.

Eine in unserem Bandkeller probende Konstellation, Affecting the Fall, lieferte mit KT Tunstall eine krachende Performance, bei der die Schlagzeugerin die Sticks kaputt schlug (ihren Elan möchte ich hier positiv hervorheben).

Nach einer kurzen Pause und einigen Gesprächen und weiteren spritzigen Getränken wurde der zweite Teil von einem Ensemble eröffnet, das mir selbst sehr am Herzen liegt. Unser Verkehrsgast Kira präsentierte gemeinsam mit den anderen Musikern „Swimming without hide“. Eine Komposition, die im Rahmen des Theaterstücks „Inside Cells“ entstanden ist und einige Wochen zuvor im Theater Münster Premiere feierte.

Danach spielte Felipe drei Popsongs, für die er sich, alsbald im Rampenlicht stehend, spontan entschied. Unter anderem das Lied „Fuckmylife666“ von Against Me! (das Ausrufezeichen gehört zum Bandnamen). Beim Niederschreiben der Musikfolge für die GEMA ging mir dieser Titel besonders leicht von der Hand.

Als nächstes präsentierte Lena einige eigene Songs und auch Verkehrsgast Jonathan (aka Aquapax) mischte die Truppe mit guter Laune auf.

Für ein Amy Winehouse-Cover spielte ich selber Klarinette mit meiner Band (Klavier, Cello, Klarinette, Bass und Schlagzeug), dazu Felipe mit Gesang.

Den offiziellen Teil der Offenen Bühne beendete Ingvaeone Robert singend mit teils eigenen Songs, teils Covern.

Der Inoffizielle Teil ging bis spät in die Nacht und lockte unter anderem Ingvaeonin Leonie auf die Bühne, mit einem Stück aus Herr der Ringe.

Alles in allem beendeten die einen früher, die anderen später den Abend beschwingt und zufrieden.

Theaterbesuch: Matchpoint

22 Nov

„Welche Rolle spielt Glück im Leben? Gibt es eine Instanz, die manchmal mit einem kleinen Schubs die Dinge in die richtige Bahn lenkt? Ein Tennisball hüpft auf der Netzkante, fällt er auf die richtige Seite?“

Am 18. Mai findet unser Besuch im Theater Münster statt. Bereits in der Semesterplanung aufgegriffen, soll das Stück „Match Point“ angelehnt an den gleichnamigen Film besucht werden. Auf dem kurzen Weg genießen wir das Klappern und Rappeln unserer Fahrräder, als wir über das seichte Kopfsteinpflaster der Innenstadt dahingleiten. Vor dem Theater angekommen bleibt glücklicherweise noch genügend Zeit für eine Kugel Eis oder eine türkische Fastfoodspezialität. Wenig später und gesättigt finden wir uns auf unseren Plätzen wieder und warten auf den Beginn.

Laut durchdringt das Geräusch eines hüpfenden Tennisballs das Publikum – die Show beginnt. Angelehnt an Woody Allens gleichnamiges filmisches Meisterwerk „Match Point“ wird die Hauptfigur Chris in dem Gesellschaftsdrama auf die Probe gestellt. Durch seine Tätigkeit als Tennislehrer schafft er den Sprung in Londons gehobene Gesellschaft. Seine Bekanntschaft Tom lädt ihn auf den Landsitz der Familie ein, wo Tom mit seiner charmanten Art rasch das Herz von Cloe gewinnt, Toms Schwester. Es eröffnen sich für den Hauptdarsteller neue Perspektiven, ihm wird ein Job in der familieneigenen Firma angeboten. Durch seine leidenschaftliche Affäre zu Toms Lebensgefährtin jedoch verstrickt sich Chris in einem Lügengespinst und setzt alles aufs Spiel. Ob der Tennisball nun auf die richtige Seite des Netzes fällt?

„Match Point“ stell sich als facettenreiches Theaterstück heraus – Spannung, Trauer, Humor, die Anregung zum Nachdenken. Welche Rolle spielt Glück denn nun eigentlich im Leben?

Genau mit dieser Frage setzen wir uns nach dem Theaterstück auseinander. Glück spielt eine enorme Rolle in dem Leben von uns allen und vor allem hat Glück auch immer eine individuelle Bedeutung. Manchmal ändert es ein komplettes Leben oder auch nur einen kurzen Augenblick. Für manche ist sicherlich ein Stückchen Schokolade pures Glück, andere gewinnen den Jackpot, und manchmal spielen einem die guten Wetterbedingungen in die Karten und die Ernte fällt besonders reich aus. Zufall und Glück gehen miteinander einher.

Offene Bühne

1 Aug

Die Offene Bühne am 02.12.2016 konnte sich auch dieses Semester wieder aufs Neue vieler talentierter Künstler und zahlreichen Zuspruchs durch die jungen Besucher erfreuen. Entsprechend der eingebrochenen Kälte draußen und der anheimelnden Beleuchtung im Saal, breitete sich für das Publikum ein gemütliches Ambiente aus, das sich bis zum Ende der Veranstaltung hielt.

Unter der Moderation des Musenwarts Lukas trat zunächst ein lokaler Gitarrist auf, der in der Straßenmusikszene von Münster bekannt ist. Er sang einige selbstgeschriebene Lieder vor, die sowohl in der lyrischen als auch melodischen Aufbereitung recht leidenschaftlich gehalten waren.

Im Anschluss trat als nächste Künstlerin Ronja aus Münster auf, die das Publikum mit ihren Fertigkeiten auf dem Cello, aber auch auf der Gitarre mitsamt ihrer wohlklingenden Stimme sehr begeistern konnte.  Nach weiteren Beiträgen auf der Konzertgitarre und der unterhaltsamen Lesung einer anekdotenhaften Geschichte, in der der Schriftsteller die Schrullen seiner biederen Nachbarin und die daraus resultierenden Geschehnisse miteinander literarisch verarbeitet hatte, schlug der musikalische Wind gen Osten um.

AH  Johannes am Horn und sein kosovarischer Partner an der Klarinette präsentierten bunte balkanische Läufe, die die eine oder andere Hüfte leicht – indes mit westeuropäischer Beherrschung – schwingen ließen.

Nach diesem kurzen, aber umso heiteren musikalischen Ausflug ergriff der Musenwart die Gitarre und spielte unter anderem Lieder von John Frusciante gekonnt vor. Es folgte der Ingvaeonen-Chor mit einer ruhigen, nahezu mystischen Version von Viva la Vida (Coldplay). Damit neigte sich das offizielle Programm des Abends allmählich dem Ende zu.

Im inoffiziellen bzw. spontanen Teil  des Abends bestachen insbesondere die „Spontan-Mutigen“ (die wohl erste auf der Bühne so getaufte Band), an der Tuan (Klavier), Alex (Tuans Mitbewohner und ein talentierter Sänger), Annette (Klarinette),  Cornelia (Cello) und  AH Manuel (Gitarre) mitwirkten. Durch ihre gelungene Interpretation von „Sleep“ von Allen Stone und mit amüsantem Call und Response zwischen Tuan und Alex brachten sie den Ausklang des Abends zu einem eindrucksvollen Höhepunkt.

Die Offene Bühne war abermals ein großer Erfolg mit einem breiten und bunten Spektrum an künstlerischen Beiträgen und stieß auf große Resonanz unter den Besuchern, von denen viele bis in die späte Nacht hinein im Saal die Unterhaltung genossen.

Stimmbildungs-Workshop

1 Aug

Wo in unserem Körper findet Vibration statt, wenn wir sprechen und singen? Können wir Einfluss darauf nehmen und wie wirkt es sich auf den Klang unserer Stimme aus, wenn wir unterschiedliche Bestandteile unseres Stimmapparats mit einbeziehen? Braucht man zum Singen Kraft und Anstrengung, oder geht es um das genaue Gegenteil? Fragen wie diesen widmeten wir uns am Samstag, den 29.10.2016 im Rahmen eines Stimmbildungs-Workshops.

Die Methode entstammt dem Lichtenberger Institut für angewandte Stimmphysiologie. Das Institut war ursprünglich der TU Darmstadt angegliedert und untersuchte die Belastungen, denen Musiker bei ihrer Arbeit ausgesetzt sind. Mittlerweile beschäftigt sich das Institut, von einem Arbeitswissenschaftler und einer Gesangspädagogin geleitet, verstärkt mit der Gesangs- und Sprechstimme.

Meine Mutter, Sängerin und Musiklehrerin, besucht das Lichtenberger Institut für angewandte Stimmphysiologie seit mittlerweile 15 Jahren und hat in den letzten Jahren eine Ausbildung zur Stimmpädagogin absolviert. Seitdem gibt sie Gesangsunterricht und bietet Kurse wie den unsrigen an.

Der Kurs fand in zwei Teilen statt, die zusammen den gesamten Tag füllen sollten. Am Vormittag beschäftigten wir uns mit der Sprechstimme. Im Vordergrund stand dabei, wie auch später beim Singen, immer die Frage, wo wir überall Vibration wahrnehmen und wahrnehmen können. Durch gezielte Fragen lenkte sie unsere Aufmerksamkeit auf einzelne Körperregionen, die Teil des eigenen Stimmapparats sein können. Hierzu gibt es einige simple Hilfestellungen, die das Wahrnehmen der stattfindenden Vibration erleichtern. Einer nach dem anderen hielten wir uns einen Ballon in geringem Abstand vor den Mund, rezitierten Gedichte und hörten uns gegenseitig zu. Ziel des ganzen war in erster Linie eine Wahrnehmungsübung und das Schulen der Aufmerksamkeit für Veränderungen, die im eigenen Körper und in der Stimme der anderen vor sich gehen.

Nach einer Mittagspause ging es dann um die Singstimme, was uns natürlich am meisten interessierte. Wieder einer nach dem anderen kamen wir zu ihr ans Klavier und erhielten eine Art Frontalunterricht, sangen vor den anderen und reflektierten gemeinsam über wahrgenommene Veränderungen. Dabei ist zu betonen, dass es hierbei nicht um das Singen im klassischen Sinne ging, sondern darum zu tönen, Klang zu erzeugen. Dementsprechend sangen wir nur Vokale (ah-oh-ah), während sie uns mit Fragen dahingehend lenkte, immer neue und andere Teile unseres Stimmapparats einzubeziehen.

So simpel das auch klingt und ist, die Veränderungen waren teilweise enorm! Innerhalb einer Viertelstunde machten sich spürbar angenehme Veränderungen im Stimmklang bemerkbar. Sowohl für den Tönenden, als auch für die Zuhörer. Jeder von uns, das wurde klar, hat eine andere Herangehensweise. Jeder reagiert anders auf Fragen und Hinweise und braucht andere Impulse, um seine Stimme zu lenken. Und wenn es nur die eigenen Hände sind, die wie ein Trichter vor dem Mund platziert werden. Nachdem wir unsere anfängliche Scheu überwunden hatten, erfuhren wir alle, wie viel leichter und dabei tragfähiger und intensiver unsere Stimme klingen kann.

Insgesamt lässt sich ein sehr positives Resümee ziehen. Insbesondere, wenn man der Idee im Vorhinein skeptisch gegenüberstand und sich auch in den ersten Stunden fragte, was denn diese ganze Sache mit der dauernden Vibration solle, haben die drastischen Veränderungen im Klang in erster Linie beeindruckt. Ob der positiven Rückmeldung werde ich mich darum bemühen, dass ein solcher Workshop in Zukunft noch einmal stattfinden kann.